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VL Prolog 2: Was kann ich wissen? Strategien der Differentialdiagnose

Lernziele

  1. die Systematik und die verschiedenen Stufen der symptomorientierten und Prävalenz-basierten Hypothesenerstellung bei unklaren Krankheitsbildern mit komplexer Differentialdiagnose beschreiben können. Wissen/Kenntnisse (kognitiv)
  2. mögliche Fehler in der eigenen Einstellung / Haltung darstellen können, die häufig zur Nicht-Erkennung der richtigen Diagnose führen. Wissen/Kenntnisse (kognitiv)


Lernziel 1

Systematik und Stufen der Hypothesenerstellung

  1. Datenerhebung
    1. akkurate Anamnesebeschreibung
    2. Leitsymptom und alle anderen Symptome explizit notieren
    3. Intuition und visuelle/akustische Eindrücke wichtig
  2. Problembeschreibung
    1. Reihung auffälliger Symptome
    2. Fehler - inkomplette Anamnese/Untersuchung, nicht auf eine Diagnose fixieren
      1. last case bias - Patient mit Darmlymphom (man denkt an Dinge, die bereits aufgetreten sind)
      2. Heuristik darf nicht in der Untersuchung dominieren (Zufällig ohne Ziel rumstochern)
  3. Auflistung von Differentialdiagnosen
    1. anatomische Orientierung - gut bei Thorax, Abdomen, Extremitäten
    2. organspezifische Orientierung - gut va für Allgemeinsymtome
      1. VINDICATE (Vascular, Infection, Neoplastic, Degenerative, Idiopathic, Congenital, Autoimmune, Tramatic, Endocrine)
    3. pathophysiologische Orientierung (zB Doppelbildern, Schwindelabklärung)
    4. mnemonische-erfahrungsbasierte Orientierung (Blickdiagnosen)
    5. ⇒ Kombination der Verfahren am sinnvollsten
  4. Priorisierung der Differentialdiagnosen
    1. führende Hypothese
    2. must-not-miss Hypothesen
    3. alternative Hypothesen
    4. Vorgehen
      1. possibilistisch (Auflistung aller Möglichkeiten und Testung dieser - nicht sinnvoll außer bei Ratlosigkeit)
      2. probabilistisch (zunächst Wahrscheinliche Diagnosen)
      3. prognostisches Vorgehen (zunächst do-not-miss, wichtig bei Notfalldiagnosen)
      4. pragmatisch (zunächst leicht therapierbare Ursachen ausschließen)
  5. Verfizierung von Hypothesen (Diagnostik)
    1. bei Diagnosebestätigung → Therapieeinleitung
      1. Wahrscheinlichkeitsbestätigung über clinical descision rules (CDR) - validierte Prediktoren über Stellenwert von Untersuchungen
      2. Verwendung statistischer Erfahrungswerte
      3. persönliche Einschätzung
    2. falls negativ → 6.
  6. Repriorisierung
  7. erneute Hypothesentestung (Diagnostik)
    1. bei Diagnosebestätigung → Therapieeinleitung
    2. falls negativ → 6.
⇒ Bereitschaft zur Neuorientierung, Zielführendes vor Stufendiagnostik, bewusster Umgang mit Limitationen diagnostischer Verfahren

Lernziel 2

Fehler eigener Einstellung/Haltung


weitere Notizen

Symptom - Krankheitszeichen, eine Beschwerde
Symptomatik - Summe der Symptome eines Patienten
Krankheitsbild - typisches Gesamtbild einer Krankheit
Krankheitsgeschichte - chronologische Beschreibung der Krankheit und Krankheiten eines Patienten

Diagnose - Kranheitszuordnung eines Patienten
Differentialdiagnose - Prozess der Diagnosezuordnung zu realen Patienten mit verschiedenen Möglichkeiten